Für viele Christen gehört zur Weihnachtszeit ein Christbaum dazu. Aber woher kommt die Tradition, einen geschmückten Tannenbaum oder Christbaum als symbolischen Mittelpunkt des Weihnachtsfestes aufzustellen?
Sélestat, die Wiege des Weihnachtsbaums
Im Elsass bzw. in Sélestat wird 1521 für vier Schilling eine Tanne in das Kassenbuch der Stadt notiert. Es war die Bezahlung des Försters, der den Gemeindewald hütet. Der Buchhalter fügte hinzu, ass die Einwohner der Stadt kostenlos eine Tanne fällen können, um sie zu schmücken, „wie es seit undenkbaren Zeiten gemacht wird“.
Mittlerweile steht bei den meisten Familien der festlich geschmückte Baum wahrscheinlich im Wohn- oder Esszimmer. Im Elsass war das jedoch nicht immer so. Am Anfang hing er an einem Balken von der Decke. Traditionell wurde er mit roten Äpfeln, die an die biblische Frucht der Versuchung erinnern, und mit Hostien als Symbol der Erlösung, geschmückt. Später folgten Süßigkeiten und heute hängen überwiegend Holz-, Glas- oder Keramikschmuck an den Zweigen der Weihnachtsbäume.
Weitere Verbreitung
Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden die Nachrichten über den Weihnachtsbaum dann häufiger. 1774 erwähnte Goethe den Weihnachtsbaum in seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther“. Hier freut sich der Protagonist über einen geschmückten Baum mit Kerzen, Äpfeln und Süßigkeiten. Einige Jahre später (1793) erschien „Das Heimweh“ von Johann Heinrich Jung-Stilling, der ebenfalls von einem „Lebensbaum“ schreibt, zu dem die Kinder am Weihnachtsmorgen geführt werden. Der hell leuchtende Baum ist in der Beschreibung mit vergoldeten Nüssen geschmückt.
Nach Nordamerika gelangte der Weihnachtsbaum 1832. Vor allem Auswanderer und Matrosen hatten den Brauch in ihre neue Heimat mitgebracht. Wahrscheinlich wurde 1912 in New York der erste öffentliche Weihnachtsbaum aufgestellt und eine elektrische Beleuchtung verbreitete sich ab 1920. Grundsätzlich muss man aber festhalten, dass wohlhabendere Bürgerhaushalte einen eigenen Weihnachtsbaum hatten und die symbolträchtigen Gehölze für Bauern bis zur Zwischenkriegszeit nahezu unerschwinglich waren.
Symbolik
Schon vor Jahrhunderten waren Tannen und andere immergrüne Pflanzen ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Zur Wintersonnenwende wurden Häuser bereits mit Immergrünen geschmückt um die wieder länger werdenden Tage zu feiern. So ist es nicht verwunderlich, dass der Weihnachtsbaum immer ein bürgerliches und kein kirchliches Symbol war. Die Kirche maß der Weihnachtskrippe immer den größten Symbolgehalt zu und stand den Weihnachtsbäumen eher kritisch gegenüber. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts öffnete sich die Kirche dem Brauchtum und erlaubte Weihnachtsbäume in den Gotteshäusern. 1982 führte Papst Johannes Paul II. den Weihnachtsbaum im Vatikan ein und ein dekorierter Baum strahlte auf dem Petersplatz in Rom.
Dekoration
Es wird erzählt, dass ein Glasbläser Mitte des 19. Jahrhunderts farbige Kugeln für seinen Weihnachtsbaum herstellte, weil er keine Möglichkeit hatte, sich Nüsse, Äpfel und Gebäck als Behang für den Christbaum zu kaufen und diesen damit zu schmücken. Die Legende zeigt uns, dass die Menschen trotz Armut mit allen Mitteln und Wegen immer wieder versucht haben, Weihnachten zu feiern und einen Weihnachtsbaum aufstellen wollten.
Traditionelle Weihnachtsfarben sind Rot und Grün, später kamen noch Silber und Gold dazu. Engelshaar, Lametta, Federn oder Figuren. Die Dekorationsmöglichkeiten heutzutage sind vielfältig und Geschmackssache eines jeden Einzelnen. Wie sieht dein Weihnachtsbaum aus?
Wann aufstellen?
Wir haben unseren Baum immer erst am 24.12. aufgestellt und geschmückt. Es war immer eine große Freude, den festlich geschmückten Baum, am Heiligabend leuchten zu sehen und natürlich die Geschenke auspacken zu dürfen. Viele Familien stellen den Baum aber schon zwischen dem 3. Advent und Heiligabend auf um etwas länger von ihm zu haben. Wie lange er dann stehen bleiben darf, hängt natürlich von den eigenen Vorlieben ab und ist regional unterschiedlich. Einige lassen ihn bis Dreikönigstag am 6. Januar stehen oder bis Maria Lichtmess am 2. Februar.
Verwendete Baumarten
Nicht jeder Nadelbaum ist auch ein Weihnachtsbaum, auch wenn sie heute Massenware sind und beachtliche Umsätze liefern. Hauptsächlich sind von den 25 Millionen Weihnachtsbäumen pro Jahr in Deutschland Tannen, Fichten und Kiefern. Der Marktanteil der Nordmann-Tanne – mit ihrem besonders schönen Wuchsbild – betrug 2020 rund 80 Prozent in Deutschland. Davon stammen etwa 90 Prozent aus Deutschland. Dänemark ist das wichtigste Importland für Weihnachtsbäume. Der Importanteil liegt bei circa zehn Prozent. Besonders die großen Bäume von vier bis viereinhalb Meter Höhe kommen aus Dänemark. Deutschland exportiert insgesamt etwa eine Million Weihnachtsbäume, vor allem in die Schweiz, Frankreich, Österreich und Polen.
Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie
Weihnachten treffen sich die Familienmitglieder und feiern zusammen. Für mich sind neben meinem Sohn auch Freunde an diesen Tagen wichtig und gerne verbringe ich meine Zeit mit ihnen.
Ein Gedicht, welches ich immer noch mag, ist „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff
Markt und Straßen steh‘n verlassen.
Still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen.
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt.
Tausend Kindlein steh‘n und schauen,
sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern.
Bis hinaus ins freie Feld,
hehres Glänzen, heiliges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit.
Steigt´s wie wunderbares Singen:
O Du gnadenreiche Zeit.
Quellen
Bilder: Privatbesitz
www.weihnachten.alsace/symbole-und-traditionen/der-weihnachtsbaum-wahrzeichen-des-elsass/
Brauchtum: Wie die Tanne zum Weihnachtsbaum wurde | NDR.de - Geschichte - Chronologie
de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaum
www.meinetanne.de/die-geschichte-des-weihnachtsbaums-ursprung-und-brauch/
www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.warum-weihnachtsbaum-geschichte-mhsd.81261f5c-b895-4d39-a45e-c2042a8b9a8f.html
www.br.de/nachrichten/wissen/wie-die-tanne-zum-weihnachtsbaum-wurde-christbaum-frisch-bleibt,RkitAOS
www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2020/12/warum-gibt-es-weihnachtbaeume-die-geschichte-hinter-der-gruenen
www.tannenversand.com/blogs/der-weihnachtsbaum-blog/weihnachtsbaum-ursprung-geschichte-und-tradition-des-brauchs
www.swr.de/wissen/1000-antworten/seit-wann-gibt-es-den-weihnachstbaum-102.html
www.servus.com/a/b/woher-kommt-der-christbaum
www.waldwissen.net/de/lernen-und-vermitteln/forstgeschichte/geschichte-des-weihnachtsbaumes
www.sdw.de/ueber-den-wald/waldwissen/weihnachtsbaum/herkunft-des-weihnachtsbaumes/
Alle Rechte vorbehalten Abredat